Steiermärkische Berg- und Naturwacht

Aufklären – Pflegen – Überwachen

In Graz übersiedelt ein Ameisenvolk

Waldameisen stehen unter Naturschutz. Viele Arten der Waldameisen weisen nur noch alarmierend geringe Bestände auf, übernehmen aber einen unverzichtbaren Part im Ökosystem Wald. Ein bedrohtes Ameisenvolk wurde von der Berg- und Naturwacht erfolgreich gesiedelt.

Sie fressen u.a. viele sogenannte Forst-„Schädlinge“ und tote Insekten, sie selbst sind wiederum Nahrung für verschiedenste Tiere wie z.B. den Grünspecht. Die Ameisen leisten auch bei der Verbreitung von Pflanzensamen und der Belüftung des Bodens einen wichtigen Beitrag. Darüber hinaus leben in den Ameisenhügeln eine Reihe spezialisierter Tierarten, wie z.B. die Larven von Schmetterlingen, Käfern oder Schwebfliegen. Durch die dichte, sich ausbreitende Besiedelung und Verbauung wird der Lebensraum von Wildtieren immer stärker eingeschränkt. Daher kommt es vor, dass Wildtiere und Menschen zusammentreffen, wo dies nicht unbedingt gewünscht ist. In diesem Zusammenhang sorgen auch Waldameisen manchmal für Probleme, nämlich genau dann, wenn sie ihre Bauten zu nahe an oder gar in menschlichen Behausungen errichten.

AmeisenhegerInnen bereit und versetzen den Ameisenhügel fachkundig. Dies geschieht, ohne dass die streng geschützten Tiere zu Schaden kommen. So wurde in Graz-Stiftingtal, unter fachkundiger Leitung der AmeisenhegerInnen Regina und Christian Lammer, nun wieder ein Ameisenvolk erfolgreich umgesiedelt. Übersiedelt wird sehr zeitig in der Früh, so früh, dass die tagaktiven Tiere noch alle im Nest sind. Der sichtbaren Ameisenhügel macht nur einen kleinen Teil des Nestes aus. Der größte Teil liegt tief unter der Erde, wo sich das Nest samt Königinnen, Puppen, Larven und Eiern befindet. Für den Transport werden die Tiere samt Erde und dem Material, aus dem sie ihre Nester gebaut haben, ausgegraben und verpackt. Dann geht es quer durch den Wald bis zu einer für Waldameisen geeigneten Stelle. Ist der Transport geschafft, wird der Hügel wieder entsprechend aufgebaut und die Tiere werden mit zuckerhaltigem Futter versorgt. So kann sich das Volk in Ruhe wieder neu organisieren, ohne den zusätzlichen Stress, von weiter weg möglichst rasch Nahrung heranschaffen zu müssen. Es kann viele Stunden dauern, einen einzigen Ameisenhügel fachgerecht zu versetzt. Ameisen-Umsiedelungen erfordern also nicht nur fundiertes Wissen, Erfahrung und eine offizielle Erlaubnis, sondern auch Ausdauer und echte Knochenarbeit.

Sollten Sie unfreiwillig Quartiergeber für Waldameisen sein, so können Sie sich darüber freuen, überaus nützlichen und interessanten Tieren einen Lebensraum zu bieten. Wenn aber ein Miteinander nicht möglich ist, können Sie sich an die Berg- und Naturwacht wenden: Wir übersiedeln die streng geschützten Tiere in geeignete Lebensräume.


Text: Claudia Zülsdorff, Berg- und Naturwacht Graz, Fotos: Regina Lammer/Christian Lammer

15. August 2018

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